2019-2021

Restaurierung der Panoramatapete “La Chasse de Compiègne” (1812) der Pariser Manufaktur Jacquemart et Bénard

Graf Emanuel von Dillen ließ diese kostbare Panoramatapete 1812 bei der Pariser Manufaktur Jacquemart et Bénard für das Gastzimmer von König Friedrich I. anfertigen. Nach unsachgemäßer Abnahme 1961 blieb die Tapete aufgerollt in einer Kiste erhalten. Der Förderverein Schloss Dätzingen ließ sie restaurieren.

Das Motiv „Die Jagd bei Compiègne“ stammt aus der renommierten Pariser Manufaktur Jacquemart et Bénard und basiert auf Entwürfen des berühmten napoleonischen Hofmalers Antoine Charles Horace Vernet. Solche luxuriösen Wanddekorationen waren damals ausschließlich dem Hochadel und wohlhabenden Bürgern vorbehalten.


Die Tapete war ein politisch bedeutsames Geschenk des Grafen an König Friedrich I. von Württemberg, einen leidenschaftlichen Jäger. Zugleich erinnerte sie an den Vertrag von Compiègne (1810), der dem König den endgültigen Gebietsumfang seines Reiches sicherte. Das dortige Schloss Compiègne galt zu dieser Zeit als eine der modernsten Residenzen Frankreichs und wurde von Napoleon für seine Gemahlin Marie-Louise repräsentativ ausgebaut.

Bis 1961 schmückte die Tapete einen Raum im Erdgeschoss des Schlosses. Bei ihrer Entfernung wurde sie unsachgemäß abgenommen, in Fragmente zerlegt und aufgerollt gelagert. Diese Reste gelangten später in den Besitz des Fördervereins Schloss Dätzingen. Mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Kunststiftung der Kreissparkasse Böblingen, zahlreicher Institutionen und privater Förderer wurde die Tapete von Restaurator Thomas Wieck für rund 100.000 Euro fachgerecht restauriert.

Heute gehört die Dätzinger Tapete zu weltweit nur zwölf teilweise fragmentarisch erhaltenen Ausführungen dieses Motivs – und ist die einzige, die vollständig an ihrem ursprünglichen Ort wieder zu sehen ist. Mit ihren 14 Metern Länge und 2,65 Metern Höhe sowie ihrem guten Erhaltungszustand besitzt sie einen herausragenden kulturhistorischen Wert.

Nach der aufwendigen Restaurierung schmückt die Panoramatapete wieder den Raum, für den sie 1812 geschaffen wurde. Sie ist ein Bespiel der repräsentativen Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts.

← Zurück zu den Projekten