
8. Schlossgespräch – 18. Juni 2026:

„Aderlass, Heilkräuter und Maulbeersaft.
Gesundheit und Krankheit in der
Frühen Neuzeit.“
Der Förderverein Schloss Dätzingen lädt im Rahmen der Schlossgespräche zum
Vortrag von Dr. Pierre Pfütsch
„Aderlass, Heilkräuter und Maulbeersaft.
Gesundheit und Krankheit in der Frühen Neuzeit (1500-1800)“
am Donnerstag, den 18. Juni 2026 um 19 Uhr
in den Maltesersaal von Schloss Dätzingen ein.
Was bedeutete „Gesundheit“ für Menschen in der Frühen Neuzeit eigentlich und wie versuchten sie, diese zu bewahren oder wiederherzustellen? Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war Gesundheit kein rein medizinischer Zustand im heutigen Sinne, sondern eng mit sozialen, kulturellen und religiösen Vorstellungen verwoben. Der Vortrag bietet einen Überblick über diese vielschichtigen Konzepte und zeigt, wie sehr das Verständnis von Körper, Krankheit und Heilung von zeitgenössischen Weltbildern geprägt war.
Dr. Pfütsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin (Bosch Health Campus) und Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Mannheim sowie Lehrbeauftragter an der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen und der Universität Osnabrück.
Wir bitten um Ihre Anmeldung per E-Mail an SchlossDaetzingen@gmail.com oder an den Förderverein (Briefkasten am Dätzinger Schloss).
Bisherige Veranstaltungen:
Am 3. Mai besuchte eine größere Gruppe des Fördervereins Schloss Dätzingen die ehemalige Komturei des Johanniterordens in Rohrdorf bei Nagold. Hauptamtsleiter Wurster führte die Gäste sachkundig durch die historische Anlage und vermittelte dabei spannende Einblicke in deren Geschichte.

Da der Kommende Dätzingen die wirtschaftliche Grundlage zur Unterhaltung eines eigenen Komturs fehlte – um 1495 verfügte sie lediglich über neun Betten und 26 Untertanen für den Frondienst; Rohrdorf beherbergte um 1500 26 Betten –, wurde sie von der Ordensverwaltung als sogenanntes Membrum der Kommende Rohrdorf unterstellt und über längere Zeit von dort aus verwaltet. Der für Rohrdorf und Dätzingen zuständige Komtur Johannes von Weitingen (1429–1450) errichtete 1430 in Rohrdorf den „Alten Bau“ direkt an der damals erweiterten Johanneskirche.

Einer seiner Nachfolger, Georg Bombast von Hohenheim, war von 1453 bis 1496, also 43 Jahre lang, im Amt. Von ihm ist überliefert, dass er 1468 im Gefolge des Grafen Eberhard im Bart eine Pilgerreise nach Jerusalem unternahm. 1485 stiftete Bombast von Hohenheim in Rohrdorf den Hochaltar, einen Flügelaltar mit fünf lebensgroßen Schreinplastiken. Einige Figuren des Mittelschreins – darunter die Madonna mit Kind und Johannes der Täufer – sind bis heute erhalten. Sechs der ursprünglich acht Tafelbilder dieses sogenannten „Meisters des Rohrdorfer Hochaltars“, die Szenen aus dem Leben Marias sowie beider Johannes darstellen, befinden sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart.


Nach der Reformation und der damit verbundenen, unter württembergischem Einfluss stehenden Neuorientierung Rohrdorfs verlegten die Komture um 1556 ihre Residenz nach Dätzingen. Fortan residierten sie im Schloss Dätzingen. Die Johanneskirche in Rohrdorf wurde anschließend simultan genutzt und in einen evangelischen sowie einen katholischen Bereich aufgeteilt. Da Dätzingen seit 1332 über das Patronatsrecht („Kirchensatz“) verfügte, also das Recht zur Besetzung der katholischen Pfarrstelle, blieben dort Veränderungen durch die Reformation aus. Ab 1607 gewann die Dätzinger Kommende zunehmend an Bedeutung. Das mittelalterliche Bruderhaus wurde zu einer vierflügeligen Anlage erweitert und die Burg zum Schloss umgebaut.
Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die anschließende Säkularisation bedeuteten schließlich das Ende der geistlichen Herrschaften. Mit Napoleons Verordnung vom 19. Dezember 1805 gingen die Besitzungen des Johanniter- und Malteserordens in Württemberg, darunter Dätzingen und Rohrdorf, in staatlichen Besitz über. In der Folge entwickelten sich beide Orte unterschiedlich: König Friedrich I. schenkte Schloss Dätzingen 1810 dem Grafen von Dillen, der es im klassizistischen Stil umgestalten ließ, jedoch auch den Abbruch der Barbarakirche veranlasste. Mit Ausnahme des Maltesersaals im Schloss sind heute kaum noch Zeugnisse des Malteserordens in Dätzingen erhalten.
Die Anlage in Rohrdorf hingegen wurde an Privatleute verkauft, später umgebaut und dient heute als Rathaus der Gemeinde. Die Johanneskirche mit ihren Kunstwerken sowie zahlreiche mittelalterliche Zeugnisse – darunter bedeutende Wandmalereien mit Jagdszenen – sind bis heute erhalten geblieben und stellen eindrucksvolle Spuren einer bewegten Ordensgeschichte dar. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten an der ehemaligen Johanniterkomturei konnten in verschiedenen Bereichen Wandmalereien freigelegt und restauriert werden. Sie zeigen zyklische Darstellungen mit Jagd- und Kampfmotiven.

„Jagdevent auf dem Baumberg“
Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Maltesersaal bildete den Rahmen für einen ebenso informativen wie lebendig vorgetragenen Vortrag von Götz Graf Bülow von Dennewitz, Leiter des Forstbezirks Schönbuch bei ForstBW. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung der königlichen Hofjagden im Herzogtum und späteren Königreich Württemberg – ein Thema, das nicht nur jagdgeschichtlich, sondern auch kulturpolitisch von großer Bedeutung ist.

Neben Pirsch-, Parforce- und Treibjagden hatte die sogenannte Festin-Jagd eine besondere Ausprägung. Diese Form der Jagd stellte ein regelrechtes Großereignis dar, das in seiner Inszenierung an ein höfisches Theater erinnerte. Die Festinjagden bezogen den gesamten Hofstaat ein. Festliche Kleidung, eine aufwendige Organisation und ein streng choreografierter Ablauf gehörten ebenso dazu wie opulente Bankette, musikalische Darbietungen und teilweise sogar theatralische Inszenierungen. Die Jagd selbst – vor allem auf Hochwild und Schwarzwild – bildete den Mittelpunkt eines gesellschaftlichen Gesamtereignisses, das eher einem höfischen Schauspiel als einer heutigen Jagd entsprach. Graf Bülow betonte, dass diese Ausprägung der Jagd dem heutigen Jagdverständnis nicht mehr entspricht. Sie war Ausdruck einer Epoche, in der herrschaftliche Selbstdarstellung eine zentrale Rolle spielte.
Als ein Höhepunkt dieser Festin-Jagden gilt die Jagd in Schloss Bebenhausen anlässlich des 58. Geburtstags von König Friedrich I. von Württemberg. Der Hofdichter Friedrich von Matthisson schilderte das Ereignis in geradezu euphorischer Weise. Die Dimensionen dieser Jagd waren beeindruckend: Nach heutigen Maßstäben werden die Kosten auf rund 40 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe verdeutlicht eindrucksvoll den finanziellen und organisatorischen Aufwand, der betrieben wurde, um dem König und seiner Hofgesellschaft ein spektakuläres Ereignis zu bereiten.
Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel stellte die Jagd am 25. Juni 1810 auf dem Baumberg mit anschließender Feier im Schloss Dätzingen dar. Über dieses Ereignis berichtet der Calwer Augenzeuge Gottfried Ferdinand Staelin. Seinen Aufzeichnungen zufolge waren zwischen 4.000 und 5.000 Menschen drei Wochen damit beschäftigt, das Wild in weitem Umkreis zusammenzutreiben, einzuhegen und am eigentlichen Jagdtag auf der Baumwiese des Baumbergs durch eine eigens errichtete Arena zu treiben. Der organisatorische Aufwand war enorm und erforderte durch die Jagdfrondienste die Mobilisierung großer Teile der Bevölkerung, gerade in einer wichtigen Zeit, in der die Bauern ihren eigenen Arbeiten nachgehen sollten.
Staelin berichtet, dass „die ganze hiesige Noblesse (und) .. beinahe alles aus der umliegenden Gegend … sowie die Stuttgarter Hofgesellschaft“ anwesend gewesen sei. Für die zuschauenden Honoratioren wurden Gerüste errichtet, die die Menschenmengen kaum zu fassen vermochten. Das Jagdergebnis war entsprechend umfangreich: Über 60 Hirsche sowie Wildschweine und Rehböcke wurden in großer Zahl erlegt. Die Jagd war damit nicht nur gesellschaftliches Großereignis, sondern auch eine Demonstration fürstlicher Jagdgewalt.
Graf Bülow lenkte den Blick auch auf einen weniger glanzvollen Aspekt dieser Großereignisse. In den Berichten ist von Landreitern die Rede, die eingesetzt wurden, „um den herandringenden zahlreichen Pöbel zurückzuhalten“. Darin könnten sich bereits erste Anzeichen gesellschaftlicher Spannungen und möglicher Proteste widerspiegeln. Denn die Jagden belasteten die Bevölkerung erheblich. Die sogenannten Jagdfronen verpflichteten Untertanen zu umfangreichen Diensten – etwa beim Treiben des Wildes oder beim Aufbau von Einrichtungen. Hinzu kamen Wildschäden auf Feldern und in Wäldern. Und das in einer Zeit, in der durch Dürren Hungersnot herrschte und die Bevölkerung durch erzwungen Kriegsdienste schon litt.

Die hier beschriebenen große Festin-Jagden in Dätzingen und Bebenhausen sollten eine der letzten ihrer Art in Württemberg bleiben. 1815 wurde der Wildschaden ebenso wie die als drückend empfundenen Jagddienste zu einem zentralen Punkt in der Beschwerdeschrift der Landtagsabgeordneten. König Friedrich I. reagierte schließlich auf den wachsenden Druck und erließ am 19. April 1815 ein Dekret, das die belastenden Jagdfronen einschränkte und die stärksten Auswüchse der Riesenjagden unterband. Damit war die Durchführung solcher aufwendigen Hofjagden faktisch nicht mehr möglich.
Unter seinem Nachfolger König Wilhelm I. und im Revolutionsjahr 1848 kam es schließlich zu einer grundlegenden Wende hin zur bürgerlichen Jagd. Die Jagd verlor ihren ausschließlich höfischen Charakter und entwickelte sich zu einer stärker privat getragenen Praxis.
Das große Interesse des Publikums im Maltesersaal machte deutlich, dass diese historische Epoche bis heute fasziniert – nicht zuletzt, weil sie ein Spiegelbild der damaligen Machtverhältnisse und gesellschaftlichen Entwicklungen darstellt.
„Restaurierung des Adelsfriedhofs im Park von Schloss Dätzingen“

Neben der baulichen Erhaltung will der Förderverein auch die Geschichte des Schlosses und seiner Persönlichkeiten insbesondere im 19. und frühen 20. Jahrhundert – also in der Zeit nach den Maltesern – lebendig halten. Im Mittelpunkt des Abends stand daher auch der Bericht über das bewegte Leben des Grafen Carl Ludwig Emanuel von Dillen, einst einflussreicher Minister am Hof König Friedrichs I. von Württemberg, dessen Karriere unter dem Nachfolger von König Friedrich ein abruptes Ende fand.

„Carl Maria von Weber“ (Eine Kooperation mit dem Kulturkreis Grafenau)

War Weber in Schloss Dätzingen ? Gab es Aufführungen seiner Werke in Dätzingen ? Der Musikwissenschaftler Dr. Ulrich Köppen ging dieser Frage genauer auf den Grund.
Dazu erklangen Arien, Klavier- und Kammermusik von C.M.v.Weber. Der Klarinettist Markus Heeb spielt Webers „Grand Duo“ op.48 sowie die „Silvana-Variationen“ für Klarinette und Klavier. Begleitet wird er von Michael Kuhn am Klavier, der mit Webers berühmter „Aufforderung zum Tanz“ sowie dem „Rondo brillante op.62 auch zwei Klavierstücke spielt. Abgerundet wird das Musikprogramm durch die Arie „Leise, leise“ aus dem Freischütz sowie zwei Liedern aus Webers reichhaltigem Liedschaffen. Solistin ist Sarah Berendt.
Lesen Sie hier den Presseartikel zur Veranstaltung.
„Die Johanniter in Dätzingen – Geschichte, Ereignisse, Persönlichkeiten“


Besonders spannend war die Beantwortung der Frage, welcher Maler hinter den Gemäldeveduten im Maltesersaal stecken würde. Forschungen von Freller kamen zu dem Ergebnis, dass es wohl ein Sprössling einer Adelsfamilie aus Piemont war, dessen Name in den alten Ordenslisten geführt ist: Giorgio Masino di Valperga.

„Des Königs neue Schlösser – Schlösser geistlicher Herren als Beutegut in Württemberg“
(Eine Kooperation mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Ortsgruppe Stuttgart)

„Des Königs neue Schlösser – Schlösser geistlicher Herren als Beutegut in Württemberg“ war denn auch der Titel des Vortrags von Prof. Brüser. Friedrich, der Dicke, Württembergs erster König, wollte zunächst gar nicht nach Württemberg. Er verfolgte wie sein Vater eine militärische Laufbahn am Hofe Friedrichs des Großen.
Allerdings, so machte der Vortrag auch deutlich, profitieren wir heutigen Nachfahren durch herrliche Parks, Wälder und prächtige Gebäude von den nicht immer ganz friedfertigen Entwicklungen der früheren Jahrhunderte.

Illustriert hatte Prof. Brüser seinen kurzweiligen und keineswegs historisch trockenen Vortrag mit Fotografien der prächtigen Gebäude, aber auch einigen historischen Darstellungen. Er führte anschaulich aus, dass die verschiedenen Immobilien nicht immer nur Wohnung und Herrschaftssitz der adeligen Damen und Herren und kirchlichen Würdenträger waren, sondern eine wechselvolle Geschichte hinter sich hatten, denn sie waren und sind auch Kaserne, Museum, Jugendherberge, Bildungseinrichtungen und Verwaltungssitz. Anschaulich erläuterte er auch die historischen Hintergründe der wechselvollen Geschichte.

„Die Schlacht bei Döffingen“
(Eine Kooperation mit der Bürger-Stiftung-Grafenau)

Lesen Sie hier den Presseartikel zur Veranstaltung.
Vortrag zum Thema Digitalisierung
(Moderation: Jan-Philipp Schlecht, Chefredakteur Kreiszeitung Böblinger Bote)


„Boris Johnsons Ahnherr, Friedrich der Dicke, König von Gottes und Napoleons Gnaden.“

Das Interesse war so groß, dass der Maltesersaal aus allen Nähten platzte und die Publikumsstühle bis in den Flur gestellt werden mussten. Die Zuhörer haben ihr Kommen sicherlich nicht bereut, immer wieder wurden die humorvollen Geschichten und Geschichtchen durch spontane Lacher wohlgefällig aufgenommen.

