Johann Baptist von Flachslanden, Komtur von Dätzingen-Rohrdorf 1773- 1805

Der Historiker Thomas Freller hat in einem Vortrag, den er im Rahmen der Schlossgespräche des Fördervereins Schloss Dätzingen am 13. Februar 2025 hielt, sowie in einer anschließenden Veröffentlichung (Anm. 1) die Figur des Komturs von Dätzingen-Rohrdorf als prominenten Vertreter der von tiefgreifenden Umbrüchen geprägten Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts vorgestellt und dessen berufliche Laufbahn nachgezeichnet. Freiherr Johann Baptist Anton von Flachslanden verlieh der Komturei Dätzingen-Rohrdorf ihre größte politische und institutionelle Bedeutung. Als politischer Mediator zwischen kurbayerischer und russischer Politik übernahm er de facto die operativen Geschäfte und Entscheidungen für den Großprior des Bayerischen Priorats des Malteserordens.

Freller zeichnet die Entwicklung eines Mannes nach, dessen Karriere im katholischen Malteserorden von seiner Familie bewusst angestrebt und gezielt gefördert wurde. Johann Heinrich Joseph von Flachslanden, Vizedom des Bistums Straßburg und Regierungspräsident im Amt Zabern (Saverne), sorgte dafür, dass sein am 21. Mai 1739 geborener Sohn Johann Baptist Anton bereits 1743 als Ritteranwärter in den Malteserorden aufgenommen wurde. Im Jahr 1755 – im Alter von nur 16 Jahren – trat er in den Konvent auf Malta ein.

Nach der in den folgenden Jahren obligatorischen Teilnahme an den Kampagnen der Ordensflotte gegen die muslimische Seefahrt, die Voraussetzung für die Aufnahme als Professritter war, gelang Flachslanden im Oktober 1768 ein rascher Karrieresprung: Er wurde zum Generalkapitän der Galeerenflotte des Ordens ernannt. Bereits in dieser Zeit schloss er sich prorussischen Interessengruppen innerhalb des Ordens an. Nach dem Ende seiner zweijährigen Amtszeit nahm er ab 1771 selbst an russischen Unternehmungen gegen das Osmanische Reich teil.
Nach seinem Abschied als Generalkapitän erhielt Flachslanden gemäß Beschluss vom 1. Mai 1773 vom neu gewählten Großmeister Francisco Ximenes de Texada die Komturei Rohrdorf-Dätzingen per gratiam magistralem, also unmittelbar und ohne Beschluss des Ordensrates. Die Vorbereitung für die Ausstattung in den Besitzungen in Dätzingen und Rohrdorf hatten bereits 1771 begonnen.
Schloss Dätzingen, Sitz der Komturei Dätzingen-Rohrdorf, erfuhr unter Flachslanden erhebliche bauliche und gestalterische Veränderungen. Diese spiegeln sich insbesondere im Umbau des Schlosses wider: 1773 wurde die Vierflügelanlage geschlossen, der Dachstuhl verstärkt, um den Maltesersaal künftig stützenfrei für repräsentative Zwecke nutzen zu können. Eine der Bedeutung und Funktion des Komturs angemessene Ausstattung des Maltesersaals wurde realisiert. Die Supraporten zeigen die historischen Standorte des Ordens im Lauf der Jahrhunderte, während die Veduten die Befestigungsanlagen der Ordenshauptstadt La Valletta auf Malta darstellen. Darüber hinaus wurde das Schlossareal neugestaltet: Das westlich gelegene Sumpfgebiet wurde trockengelegt und der Park zu einem englischen Landschaftsgarten als „Lustgarten“ umgestaltet. Flachslanden engagierte sich zudem in der Armenfürsorge, förderte ab 1784 das lokale Schulwesen und setzte sich 1786 erfolgreich für die Einführung des Marktrechts in Dätzingen ein.
Nach seiner Rückkehr aus dem Mittelmeerraum lebte Flachslanden bis 1780 zunächst an der Residenz des Großpriors der Deutschen Zunge des Ordens in Heitersheim. In seiner neuen Funktion als Deputierter wurde er zu verschiedenen Missionen zu Reichstagen nach Regensburg, Straßburg, Paris und Wien entsandt.
Ab 1781 bereitete er in München im Auftrag von Kurfürst Karl Theodor die Errichtung eines Bayerischen Großpriorats des Malteserordens vor, das der standesgemäßen Versorgung von dessen unehelichem Sohn Karl August, Graf von Bretzenheim, dienen sollte. Flachslanden führte dieses neu gegründete Priorat stellvertretend für den Grafen zunächst als Turkopilier, später als Bali von Neuburg, innerhalb der sogenannten „Englisch-Bayerischen Zunge“ des Ordens.
Indem Flachslanden die Aufgaben des Großpriors des Bayerischen Priorats faktisch übernahm, nutzte er seine früh geknüpften Kontakte zum russischen Zarenhof, profilierte sich als politischer Vermittler zwischen Kurpfalz-Bayern und Russland und gewann Einfluss in der Führung des Malteserordens. 1797 wurde Zar Paul I. Protektor des neu strukturierten Großpriorats der „Englisch-Bayerisch-Russischen Zunge“. Nach der französischen Eroberung Maltas im Oktober 1798 ließ er sich zum Großmeister des Ordens ausrufen und verlegte dessen Hauptsitz nach St. Petersburg. Bali Flachslanden profilierte sich in dieser Phase als zentraler Vermittler russischer Ordenspolitik. Für seine Verdienste wurde er mit zwei reich dotierten Komtureien ausgestattet und mit dem Alexander-Newski-Orden ausgezeichnet.
Nach dem Tod Kurfürst Karl Theodors und der Enteignung des Malteserordens in den bayerischen Ländern durch dessen Nachfolger Maximilian IV. Joseph engagierte sich Flachslanden im Interesse des Zaren für die Wiederherstellung des Bayerischen Großpriorats sowie der Großballei Neuburg. Er wurde zum Stellvertreter des Großpriors ernannt und verwaltete mit Dätzingen-Rohrdorf sowie den bayerischen Niederlassungen Haunstadt und Kastl insgesamt drei Komtureien.
Im Interesse Zar Pauls I. lag die Einbindung Bayerns in eine antifranzösische Allianz. Flachslanden war in diese diplomatischen Bemühungen eingebunden und spielte eine bedeutende Rolle auf dem Feld der internationalen Politik. Die militärische Niederlage gegen Frankreich sowie die Ermordung Pauls I. im Jahr 1801 führten jedoch zu einem grundlegenden Kurswechsel unter Zar Alexander I. Dieser lehnte den ihm angetragenen Titel des Großmeisters ab, schränkte die Rechte und den Einfluss des Ordens auf russischem Territorium ein und leitete schließlich 1811 die Auflösung der russischen Großpriorate ein.
Auch nach der Aufhebung des Ordens infolge der napoleonischen Verfügung von 1805 wurden Flachslanden bis 1809 weiterhin die Einkünfte aus der Komturei Dätzingen gewährt. Zudem verblieben ihm Pensionen aus bayerischen Ordenspfründen sowie Schloss Hessellohe als Alterssitz. Dort starb Johann Baptist Anton von Flachslanden am 20. März 1822.
Anmerkung 1:
Dr. Thomas Freller, Zwischen Dätzingen, Malta und St. Petersburg. Johann Baptist von Flachslanden – Diplomat, Galeeren-Admiral, Pfründenjäger. Zwischen Hilfe, Macht und Machenschaften, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 75. Jg. (2016), S. 155 ff (https://www.researchgate.net/publication/352822498_Zwischen_Datzingen_Malta_und_St_Petersburg_Johann_Baptist_von_Flachslanden_Diplomat_-_Galeeren-Admiral_-_Pfrundenjager).
