Carl Ludwig Emanuel Graf von Dillen (1777–1841)

Gemälde von Johann Baptist Seele
Heimatmuseum Schloss Dätzingen

Carl Ludwig Emanuel Graf von Dillen wurde 1777 in Stuttgart als Sohn des württembergischen Rentkammerrats und späteren kurpfälzischen Hofkammerrats und Salinendirektors David Dillenius geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Mannheim. Nach einer vermutlich verwaltungsjuristischen Ausbildung erscheint der 21-Jährige 1798 erstmals im Personal des herzoglichen Marstalls in Ludwigsburg.

Bereits 1799 ernannte ihn Herzog Friedrich von Württemberg zum „Seconde-Lieutenant“ des Württembergischen Leib-Jäger-Regiments zu Pferd. Diese Ernennung markierte den Beginn einer ungewöhnlich raschen militärischen Karriere, die 1809 in seinem Aufstieg zum „Generallieutenant“ und Kommandeur des Garde-Regiments zu Pferd gipfelte.

Auf Betreiben Herzog Friedrichs wurde Carl Ludwig Emanuel Dillenius schon 1801 vom Kaiser in Wien in den Reichsadelsstand mit dem Prädikat „von Dillen“ erhoben. 1806 folgte seine Erhebung in den Freiherrenstand, am 6. Dezember 1811 schließlich in den erblichen Grafenstand. Hinzu kamen zahlreiche Orden und Auszeichnungen, darunter der Große Orden beider Sizilien, der königliche Große Orden des Goldenen Adlers und die Aufnahme in den Malteserorden.

Durch die besondere Gunst Herzog – und ab 1806 König – Friedrichs I. stieg von Dillen innerhalb kürzester Zeit zu einem der einflussreichsten Männer am württembergischen Hof auf. 1807 wurde er zum Generaladjutanten des Königs berufen, 1809 zudem zum General-Ober-Intendanten der königlichen Schlösser. Dieses wichtige Amt umfasste alle königlichen Schlösser, Palais und sonstigen Gebäude, Gärtnereien, Gutsbetriebe, Menagerien sowie die königliche Garderobe. Ebenso unterstanden ihm das Pretiosen-Kabinett, die Gemäldesammlung, die Privatbibliothek sowie das Personal der Hofkünstler und Hofhandwerker.

Ein sichtbarer Ausdruck königlicher Zuneigung war 1810 die Schenkung des Schlosses Dätzingen, einschließlich des Wirtschaftsgebäudes und weitläufiger Gartenanlagen. Von Dillen befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Er ließ das Schloss durch den Hofbaumeister Nikolaus von Thouret im klassizistischen Stil umbauen – mit markantem Portikus, repräsentativem Treppenhaus und Vestibül. Die Gartenanlagen mit ihren Springbrunnen gestaltete der Hofbaumeister Ferdinand Fischer.

Der Graf pflegte enge Kontakte zu den herausragenden Künstlern am königlichen Hof: Die Porträts des Grafenpaares stammen vom Hofmaler Johann Baptist Seele, die Büste König Friedrichs I., die sich heute im Heimatmuseum Schloss Dätzingen befindet, schuf Johann Heinrich Dannecker. Auch der Dichter Friedrich von Matthisson war 1812 am Stuttgarter Hof tätig.

1815 erhielt von Dillen eine weitere königliche Zuwendung: das Kronlehen Rübgarten, ein Schloss samt Rittergut mit rund 200 Morgen Land, das fortan von Dätzingen aus verwaltet wurde.

Sein kometenhafter Aufstieg und die außergewöhnlichen Gunstbeweise des Königs riefen allerdings erhebliche Kritik hervor. Zeitgenossen führten die bevorzugte Stellung des Grafen häufig auf persönliche Vorlieben Friedrichs I. zurück. Dies belegen mehrere zeitgenössische Stimmen. So schrieb Max Maria von Weber, Carl Maria von Webers Biograph: „Der Hof in Stuttgart und Ludwigsburg war außerordentlich bunt … Der König sprach viel und hastig, oft voll Geist, gefiel sich aber ebenso häufig in plumpen Späßen und Zoten. Er konnte sehr anziehend sein, fiel aber zu häufig in leidenschaftliche Affectionen aller Art, als dass man seiner Geselligkeit hätte froh werden können.“

Auch die Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste zeichnete ein ungünstiges Bild: „Den entschiedensten und schädlichsten Einfluss auf Friedrich’s schwankenden Charakter… Selbst zum Verkehrtesten und Verderblichsten wusste der Graf Dillen den König zu verleiten, indem er alle Keime des Guten und Edeln in seinem Herzen zu ersticken suchte.“

Mit dem Tod König Friedrichs I. im Jahr 1816 endete die außergewöhnliche Karriere des Grafen abrupt. Der neue König Wilhelm I. brachte dem ehemaligen Günstling seines Vaters keinerlei Vertrauen entgegen. Er entließ von Dillen umgehend aus allen Ämtern und verbannte ihn vom Hof; zudem wurde ihm untersagt, die Residenzstadt Stuttgart künftig zu betreten.

Lediglich Charlotte Mathilde, die zweite Gemahlin Friedrichs I., hielt an ihm fest und beschäftigte ihn bis zu ihrem Tod 1828 als Oberhofmeister an ihrem Witwensitz in Ludwigsburg.

Carl Ludwig Emanuel Graf von Dillen starb 1841 in Dätzingen.