Der Malteserorden (Johanniter-Ritterorden)

Der Johanniterorden entstand nach der Eroberung Jerusalems durch das Heer des Ersten Kreuzzuges im Jahr 1099 als Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem. Die Ordensgemeinschaft wurde auch Ritterlicher Orden Sankt Johannis vom Spital zu Jerusalem genannt; ihre Mitglieder bezeichnete man als Johanniter oder Hospitaliter. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich der Orden von einer Spitalbruderschaft zu einem geistlichen Ritterorden, der im Jahr 1113 von Papst Paschalis II. offiziell anerkannt wurde. Zu seinen Hauptaufgaben zählten die Kranken- und Armenpflege, der Schutz der Pilger sowie der bewaffnete Einsatz zur Sicherung des Heiligen Landes. Der sich rasch über ganz Europa ausbreitende Orden setzte sich aus adeligen Rittern, Ordenspriestern und dienenden Brüdern zusammen.
Nach der Vertreibung der Kreuzfahrer aus Palästina Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Hauptsitz des Ordens zunächst von Akkon nach Zypern und 1309 nach Rhodos verlegt. Dort errichteten die Johanniter einen souveränen Ordensstaat und traten als bedeutende Seemacht im östlichen Mittelmeer in den Kampf gegen das Osmanische Reich ein. Nachdem Rhodos 1522 nach langer Belagerung durch osmanische Truppen gefallen war, überließ Kaiser Karl V. dem Orden im Jahr 1530 die Insel Malta als neues Herrschaftsgebiet. Seither wurde der Orden als Malteserorden bezeichnet. Auf Malta errichteten die Ritter umfangreiche Befestigungsanlagen und erlangten insbesondere durch die erfolgreiche Abwehr der osmanischen Großbelagerung von 1565 große Bedeutung.
Der übernationale Orden war in acht sogenannte Zungen (Sprachen) gegliedert, die sich wiederum in Priorate, Balleien und Kommenden unterteilten. Die Kommenden stellten die kleinsten Verwaltungseinheiten dar und bestanden überwiegend aus land- und forstwirtschaftlich genutzten Gütern, die die wirtschaftliche Grundlage des Ordens bildeten. Der Orden war unmittelbar dem Papst unterstellt und genoss weitgehende politische sowie rechtliche Selbstständigkeit. An seiner Spitze stand der Großmeister, der sowohl geistliche als auch weltliche Herrschaftsrechte ausübte.
Im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert verlor der Orden in den protestantischen Gebieten Europas zahlreiche Besitzungen, insbesondere in Nord- und Mitteldeutschland. Dennoch blieb er bis ins 18. Jahrhundert eine bedeutende militärische und karitative Institution. Mit dem Vordringen Napoleons ins Mittelmeer wurde Malta im Jahr 1798 von französischen Truppen besetzt, wodurch der Orden seine territoriale Herrschaft verlor.
Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und bestätigt im Pressburger Frieden von 1805 wurden die geistlichen Besitzungen und Ordensgüter enteignet. Damit endete 1805 die Existenz des Ordens als reichsunmittelbare Institution im Alten Reich; seine Besitzungen gingen in weltlichen Besitz über.
