2026

Bildtechnische Untersuchung des Gemäldezyklus „Ansichten von La Valletta“ im Maltesersaal

Die Ausstattung des Maltesersaals (Innendekoration des Maltesersaals – Raumansicht nach Norden) spiegelt die bedeutendste Phase des Malteserordens auf Schloss Dätzingen wider. Der Gemäldezyklus mit Ansichten der Festungsstadt La Valletta auf Malta bezeugt die einstige Stärke des Ordens. Drei Supraporta-Gemälde symbolisieren die drei verschiedenen Standorte des Ordens während Ihrer Zeit im Mittelmeerraum, bevor der Orden sich auf Malta niederließ. Bis heute ist ungeklärt, wen das zentral aufgehängte Porträt darstellt.

Der prachtvolle Maltesersaal entstand in einer Glanzzeit des Malteserordens, die eng mit Johann Baptist Anton von Flachslanden verbunden ist – einem elsässischen Freiherrn, Diplomaten, Admiral der Ordensflotte und Komtur der Kommende Dätzingen. Flachslanden spielte gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine bedeutende politische Rolle in Europa. In einem von Machtwechseln und geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld entstanden die sechs monumentale Stadtansichten La Vallettas. Sie zeigen die imposanten Festungsanlagen der Ordenshauptstadt – Sinnbild für Glauben, maritime Stärke und die internationale Bedeutung des einst mächtigen Seeritterordens.

Frühere Restaurierungen haben an den Gemälden deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Die auf Leinwand gemalte Bilder sind auf Holztafeln montiert, was möglicherweise zur Entstehung der Craqueluren beigetragen hat. Retuschen wurden angebracht, um kleinere Schadstellen zu überdecken.

Der Förderverein Schloss Dätzingen setzte sich zum Ziel, im Rahmen einer restauratorischen Anamnese den Erhaltungszustand der Gemälde zu untersuchen und zu prüfen, ob Restaurierungsmaßnahmen notwendig und sinnvoll sind. In enger Abstimmung mit Jochen Ansel und dem Gebietsreferenten Mathias König vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg sowie mit Unterstützung der renommierten Restauratorin Gertrud Otterbeck wurde am 27. Januar die Vorgehensweise der Untersuchung festgelegt.

Am 17. Februar wurden im abgedunkelten Maltesersaal hochauflösende Fotografien aller Gemälde sowohl unter Kunstlicht als auch unter UV-Licht aufgenommen. Schon bei den UV-Aufnahmen stellten Jochen Ansel und Kuno Schlichtenmaier erhebliche Restaurierungsmaßnahmen an mehreren Bildern fest. Die genaue Analyse der großformatigen UV-Aufnahmen erfolgte am 19. März 2026 direkt vor Ort, im Beisein der Restauratorin Gertrud Otterbeck. Da dafür einzelne Gemälde von der Wand genommen wurden, konnten die eigentlichen Probleme der Bilder präzise festgestellt werden.

Die Gemälde wurden aus ihren ursprünglichen Keilrahmen herausgeschnitten und ohne Falz unter Druck auf Pressspanplatten aufgezogen. Die Struktur der Craqueluren weist darauf hin. Anschließend wurden die Keilrahmen rückseitig aufgebracht. Durch mit Bleistift aufgeschriebenen römischen Nummerierungen wurde sichergestellt, dass die Gemälde immer an derselben Stelle aufgehängt waren.

Beim direkten Vergleich der großformatigen UV-Fotoabzüge mit den Gemälden (hier: Ansicht von La Valletta von Südosten: Blick von Fort Saint Angelo über den Großen Hafen (Vedute IV)
ließen sich mindestens drei verschiedene Restaurierungsphasen mit teils erheblichen Retuschen nachweisen.

Die am dunkelsten fluoreszierenden Retuschen sind klar abgegrenzt, während hellere und schwächer reflektierende über größere Flächen hinweggehen.

Die Gegenüberstellung (hier: Ansicht des Panoramas nördlich von La Valletta: Blick von der Nordflanke der Altstadt auf Fort Manoel (Vedute II)) machte auch deutliche Übermalungen sichtbar. So wurde der ursprünglich leicht bläuliche Himmel – am oberen Bildrand noch erkennbar – farblich zu einem Grauton beziehungsweise Beige verändert.

Die klimatischen Bedingungen im Saal haben großen Einfluss auf den Erhaltungszustand der Gemälde: Die an den Außenwänden befindlichen Bilder sind stärker geschädigt als jene an den Innenwänden. Letztere (hier: Ansicht des Panoramas südlich von La Valletta: Blick von der Altstadt auf die zerklüftete Küstenanlage jenseits des Großen Hafens (Vedute V)) zeigen deutlich weniger Retuschen.

Tests mit Oberflächenreinigung und Firnisabnahme ergaben keine sichtbare Verbesserung. Die Gemälde sind nicht verschmutzt, und der zuletzt aufgetragene Firnis ist nicht vergilbt – was bei Naturharzfirnissen durch Oxidation, Licht oder Schmutz hätte eintreten können. Eine Firnisabnahme ist daher nicht angezeigt.

Die Empfehlung von Jochen Ansel und Restauratorin Gertrud Otterbeck war eindeutig: Es sind derzeit keine restauratorischen Maßnahmen erforderlich. Zwar wäre das Entfernen der Pressspanplatten grundsätzlich wünschenswert, doch ist anzunehmen, dass mögliche schädliche Einflüsse der Platten mittlerweile nachgelassen haben, da die Ausdampfung schädlicher Stoffe inzwischen stark reduziert ist.

Eine Oberflächenreinigung, Firnisabnahme oder Erneuerung älterer Retuschen wird seitens der Denkmalpflege nicht empfohlen, da der Gemäldezyklus trotz unterschiedlicher Eingriffe einen geschlossenen Gesamteindruck vermittelt. Um diesen zu bewahren, sollen auch stark beschädigte Einzelbilder nicht gesondert behandelt werden.

Die Supraporten (hier: Die Flotte des Malteserordens vor dem Hafen von Lepanto) zeigen insgesamt weniger Retuschen. Ihre Farben sind jedoch stärker nachgedunkelt als bei den Veduten, was sich durch eine Reinigung nicht verbessern ließe.

Beim Porträt des bislang nicht identifizierten adeligen Mannes in Rüstung (mit dem Hubertusorden) zeigen die UV-Aufnahmen lediglich einen schlecht aufgetragenen Firnis, jedoch keine Übermalungen oder Retuschen. Auf Fotografien aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg (siehe Foto) hat die dargestellte Person deutlich eine andere Kleidung – dunkler Mantel mit Malteserkreuzen – getragen. Diese nachträgliche Veränderung eines alten Gemäldes – eventuell bei und durch dessen Verwendung im Maltesersaal – wurde bei einer Restaurierung – wahrscheinlich um 1963 – leider wieder entfernt. So haben wir heute das ursprüngliche Aussehen des Gemäldes, aber ohne dessen Veränderung aus der Zeit der Malteser.

Für die freundliche Erlaubnis zur Wiedergabe der UV-Aufnahmen, die Herr Jochen Ansel angefertigt hat, danken wir dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Die Wiedergabe der Darstellungen der Gemälde der Ansichten von La Valletta entstammt dem Fotokonvolut: Fotokampagnen Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland.

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